Hans-Heinrich Dieter

Alle Jahre wieder!   (23.12.2018)

 

Alle Jahre wieder – zu Ostern und Weihnachten - melden sich unsere „KirchenfĂŒrsten“ belehrend, moralisierend oder auch anmaßend öffentlich zu Wort. Dabei sind religiöser Glaube und Kirchenzugehörigkeit eine reine Privatangelegenheit mĂŒndiger BĂŒrger. Die Aufgabe der Kirchenvertreter ist es, seelsorgerisch fĂŒr ihre GlĂ€ubigen und Kirchenmitglieder zu wirken. Weltverbesserungsversuche wirken da oft anmaßend.

Der sehr eitle EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm stellt öffentlich fest, es gebe in der AfD „Menschen, die nur protestieren wollen. Und es gibt Menschen, die wollen ihr rechtsradikales Gedankengut unter dem Logo der AfD verbreiten“. Dagegen mĂŒsse man sich wehren. Wenn Bedford-Strohm seine Mainstreammeinungen in einer AfD-Parteiversammlung oder in einem kirchlichen Seminar zur Diskussion stellt, dann ist das gut und angebracht. Wenn er aber als EKD-Vorsitzender öffentlich ex cathedra sagt, es gebe in der AfD „Menschen, die nur protestieren wollen“, dann ist das eine anmaßende, diffamierende Behauptung, die er im Sinne christlicher NĂ€chstenliebe besser unterlassen hĂ€tte.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht nun in einer öffentlichen Stellungnahme eine gewisse FĂŒrsorgepflicht Deutschlands auch fĂŒr abgeschobene Asylbewerber. Jemanden ins Flugzeug zu setzen, „und dann ist alles wieder wie es war“ sei zu einfach gedacht. Mit dieser Aussage unterstellt Marx, dass abgeschobene Asylbewerber in Deutschland nicht fĂŒrsorglich behandelt werden, sondern im Zuge einer rechtlich gebotenen Abschiebung lediglich in ein Flugzeug gesetzt werden. Er unterstellt, dass die mit der Abschiebung befassten Behörden und Beamten zu einfach denken, vulgo: unmenschlich und blöd sind. Wenn sich ein herausgehobener Vertreter einer Kirche, die mehr oder weniger „in ein System aus Missbrauch und Vertuschung verstrickt“ ist, die die Öffentlichkeit bisher diesbezĂŒglich tĂ€uscht und in der kriminelle TriebtĂ€ter offenbar bisher nicht hinreichend zur Rechenschaft gezogen werden, und die sich auch noch anmaßt, FlĂŒchtlingen illegal Kirchenasyl zu gewĂ€hren, fĂŒr das es keine geltende Rechtsgrundlage gibt, derart herablassend und verunglimpfend Ă€ußert, dann wird sich der BĂŒrger mit gesundem Menschenverstand unglĂ€ubig und empört von diesem Bischof abwenden.

Und der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sieht im Interview der Woche des Deutschlandfunks die liberale Demokratie und die europĂ€ische Friedensordnung in Gefahr. Er warnt davor, denjenigen auf den Leim zu gehen, die in einer komplizierten Welt einfache Lösungen anböten. „Wir dĂŒrfen diesen RattenfĂ€ngern, die da heute weltweit unterwegs sind, nicht auf den Leim gehen mit einfachen Lösungen, sondern wir mĂŒssen uns mit Blick auf den Menschen um verantwortliche Lösungen auseinandersetzen, die errungen werden mĂŒssen, wo aber im Letzten immer Gerechtigkeit fĂŒr alle im Mittelpunkt stehen muss.“ Der Kardinal ĂŒbersieht dabei, dass es ja in unserer komplizierten Welt die Kirchen sind, die die einfachste – und fĂŒr einen denkenden Menschen gleichzeitig schwierigsten – Lösung, den Glauben an Gott, anbieten. Und wen diffamiert er als weltweit agierende „RattenfĂ€nger“? Und wer sind eigentlich die „Ratten“, die gefangen werden sollen? Das sind doch wohl Menschen, deren WĂŒrde zu schĂŒtzen ist!

Und dieser Kardinal fĂŒgt im Zusammenhang mit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche an: „Ich stelle mich hinter den Großteil unserer Priester. Es sind TĂ€ter, die auch Priester sind. Aber ich muss doch einfach auch sagen, dass der Großteil der Priester und der pastoralen Mitarbeiter und der kirchlichen Angestellten eben nicht mit dem sexuellen Missbrauch zu tun hatten. Man muss ja, denke ich, auch wahrnehmen, dass sexualisierte Gewalt ein gesamt-gesellschaftliches PhĂ€nomen ist. Ich will das nicht behaupten oder sagen, um uns selber freizusprechen. Ein einziger Fall in der Kirche ist hier zu viel, und wir haben hier auch aufgrund unseres moralischen Anspruchs eine besondere Verantwortung und auch eine besondere Schuld auf uns geladen. Aber es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem; und ich bin sehr dafĂŒr, dass wir diese Problematik jetzt auch gesamtgesellschaftlich angehen um der Kinder und der Jugendlichen willen. Es darf nirgendwo sexualisierte Gewalt geben, nicht in der Kirche, erst recht dort nicht – aber auch in keinem anderen gesellschaftlichen System.“ Der Kardinal zeigt sich hier als ein klassischer Vertreter des Vertuschungs- und Verharmlosungssystems der katholischen Kirche, denn die Sexualverbrecher sind nicht „auch Priester“, sondern ein zahlenmĂ€ĂŸig noch nicht ermittelter Anteil der „geweihten Priester“ sind SexualstraftĂ€ter. Und dann tut der geweihte Priester Woelki die Sexualstraftaten seiner „BrĂŒder“ auch noch als „gesamtgesellschaftliches PhĂ€nomen“ ab, das gesamtgesellschaftlich angegangen werden muss. Hier ist der Heuchler Woelki am Werk, denn er weiß: In der katholischen Kirche sind im Zeitraum zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3677 MinderjĂ€hrige Opfer sexueller Vergehen geworden. Die 1670 aktenkundigen TĂ€ter waren ĂŒberwiegend Priester: 1429 Diözesanpriester und 159 Ordenspriester. Das zeigt die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz. Die tatsĂ€chlichen Zahlen bleiben aber weiter unklar, da wichtige Personalakten vernichtet wurden oder Akteneinsicht verwehrt wurde. Die Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz legt also nur einen Teil der systematischen sexuellen Gewalt gegen Kinder offen. Und es ist die katholische Kirche, die sich bisher einer Ermittlung und Ahndung der SexualstraftĂ€ter durch die Justiz mit Strukturen und Netzwerken, die sexualisierte Gewalt gegen Kinder begĂŒnstigen und AufklĂ€rung verhindern sowie das Thema SexualitĂ€t tabuisieren und totschweigen, entgegenstellt!

Die Kirchen haben ihren moralischen Anspruch verwirkt. Die katholische Kirche diskriminiert darĂŒber hinaus auch Frauen und ist diesbezĂŒglich nicht im Einklang mit dem Grundgesetz. Und solange die Sexual-Straftaten nicht aufgeklĂ€rt und die TĂ€ter zur Rechenschaft gezogen sind, sollten sich die „kirchlichen WĂŒrdentrĂ€ger“ mit anmaßenden öffentlichen Belehrungen zurĂŒckhalten und sich um die Seelsorge fĂŒr die glĂ€ubigen Kirchenmitglieder kĂŒmmern. Damit tĂ€ten sie sich, ihren Kirchen und auch den vermeintlich „nur protestieren wollenden“ BĂŒrgern einen Gefallen!

(23.12.2018)

 

 

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http://www.hansheinrichdieter.de/html/missbrauchindenkirchen.html

 

 

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